Fußnoten
zu
[1] Überarbeitete Fassung eines Vortrags, gehalten auf der Jahrestagung der FORM. in Ottenstedt, Juni 1999.
[2] Lacan, Die Psychosen, S.99 f.
[3] Lacan, Die Psychosen, S.25
[4] sub-iectum (lat.): Unterworfenes, Abhängiges; im Mittellateinischen wird daraus "Begriff" (in Polarität zu "Objekt", dem Gegenstand), erst im Spätlateinischen schließlich "Subjekt". Diese Wortgeschichte erhellt mustergültig die Wandlung des Ich-Verständnisses des Mitteleuropäers: Vom Unterworfenen zum Autonomen. Bei genauerem Hinsehen manifestiert sich hierin jedoch das tiefe Wissen, daß das sprechende Subjekt eben nicht solipsistisch-autonom, sondern vom sprechenden Anderen abhängig ist. Man hat dies heute vergessen, das Wort Subjekt verlor seine ursprüngliche Bedeutung in einer beispiellosen Apotheose des Ego.
[5] vgl. P.Widmer, Subversion ..., S.44
[6] Bereits hier sind Mehrdeutigkeiten impliziert: Vom zutraulichen Eichhörnchen bis zu "dir trau´ ich alles zu" ....
[7] "testis" (lat.): Zeuge, zugleich Hoden - "bei meinen Eiern!" Diese Wortnähe zeigt auch das deutsche "be - zeugen". Wir unterschreiben unser Testament vor Zeugen, der Arzt schreibt ein Attest, die Prüfung wird zum Test für das Zeugnis. Uns springt hier eine Fülle sexuell besetzter Konnotationen entgegen, die zunächst auf eines hinweist: wie elementar Sprache strukturiert ist.
[8] Mehr als ein kurioses Aperçu ist folgender Umstand:Im Oberdeutschen des 15.Jhdts. wird das Wort "heilen" im Sinne von "kastrieren" verwendet , d.h. dem männlichen Tier die Wildheit nehmen ! vgl. Kluge, Ethymologisches Wörterbuch ....
[9] Mit ein wenig Sprachmut ließe sich auch "das Mich" übersetzen ...
[10] So wissen wir, daß Tiere - wie auch Menschen vor dem 8.Monat - sich gelangweilt vom Spiegel abwenden oder das erblickte Objekt hinter dem Spiegel suchen. (vgl. "Spiegelaffären", ZDF-Fernsehfilm zum Thema, in der Reihe "Naturzeit", gesendet am 14.07.1998)
[11] "Ein Nichts, vielleicht? - nicht, aber nicht nichts." Lacan, Die vier Grundbegriffe..., S.70
[12] Lacan, Die Psychosen, S.57
[13] Ferdinand de Saussure, Schweizer Linguist (1857-1913), Zeitgenosse S.Freuds (der ihn aber nicht kannte).
[14] Etwa die Lautfolge "TISCH": Je nach Kontext und Konnotation verweist dieses Wort auf den Eßtisch, den Billardtisch, den Konferenztisch, den "runden Tisch", den Nierentisch, den Schreibtisch, den Katzentisch, den Altar oder gar Artus´ Tafelrunde usw.usw.; entscheidend hierbei ist, daß das Wort "Tisch" immer alle diese Verweise gleichzeitig repräsentiert incl. aller Bedeutungen, die uns jetzt gerade nicht einfallen, sowie aller, die jedes im Gespräch involvierte Subjekt als "private Konnotation" mitbringt - weit über alle Bedeutungen hinaus. Die Register des ganzen Seins sind letztlich in den Wörtern und Zeichen.
[15] Das folgende Beispiel ist eine eigene Paraphrasierung eines Lacan´schen Beispiels, in diesem Fall ist die Eindeutschung ebenso plastisch wie das Original....
[16] vgl. Einstein: "Raffiniert ist der Herrgott, aber boshaft ist er nicht".
[17] vgl. den Dichter: Er spricht zum A und läßt seine Welt zu unserer werden.
[18] Natürlich kennt auch der Neurotiker die Anspielung, sie ist aber mit dem augenzwinkernden Blick zum Anderen verknüpft, verbleibt mithin in der symbolischen Beziehung.
[19] Gemeinsamer Nenner der hier kritisierten Ansätze ist das Prinzip der Beschwichtigung (der Lüge).
[20] Wörtlich: "Übertragung, Verwechslung"; Duden: Durch Verbildlichung entstehender Vergleich; etwa: "Das Haupt der Familie".
[21] Wörtlich: "Andernamung, Umtaufen"; Duden: übertragener Gebrauch eines Wortes aus einem ganz anderen Register (zB: "alt und jung" für "alle").
[22] Zu diesem Gedanken paßt folgender Sketch aus der Sesamstrasse wie gerufen:Der - menschliche - Streetworker zeigt Ernie einen Apfel, eine Banane und ein Spielzeugsaxophon und singt: "Eins von diesen Dingen gehört nicht zu den anderen!?" Ernie rät korrekt "das Saxophon", da man das Obst essen, auf dem Saxophon hingegen spielen könne. Stolz geht er mit den Gegenständen fort und begegnet Krümelmonster, dem er die nämliche Frage stellt. Krümelmonster allerdings hat eine andere Antwort parat: Die Banane gehöre nicht dazu, erklärt er, während er geräuschvoll Apfel und Saxophon verschlingt, weil man diese beiden essen könne, auf der Banane jedoch spielen. Mit diesen Worten beginnt er, auf der gelben Frucht ein Coltrane-würdiges Solo zu blasen .... Dies ist zunächst reine Metonymie: Erst in der Äquivalenz-Positionierung entsteht Bedeutung (Banane ˜ Musik). Insofern das gestellte Rätsel die Begehrensfrage "eßbar oder blasbar" suggeriert, entsteht jedoch in der Beziehung Ernie / Krümelmonster augenblicklich auch Metapher, also signifikante Bedeutung.
[23] Ein Meister des signifikanten Sprechens ist der Kabarettist Dieter Hildebrandt:. Er verwendet typischerweise Viertelsätze oder Satzbrocken, die vom Zuschauer mühelos und in seinem Sinne korrekt ergänzt werden: Er tut nichts anderes als signifikante Strukturelemente eines Satzes aufleuchten zu lassen - die Anreicherung mit Sprache geschieht ganz von selbst und in einem (durch die Rollenverteilung) abgesprochenen Einverständnis.
[24 Mathematik etwa ist eine reine Metasprache (vgl. Wittgenstein), sie besteht ungetrübt aus reinen Signifikanten, reiner Struktur, ist selbst bedeutungsleer.
[25] Bei Lacan: "desire"; im Kontext eine Bündelung von Sehnsucht, Wunsch (Freud), Begierde, Bedürfnis.
[26] Die "psychosomatische" Interpretation körperlicher Leiden bei T.Dethleffsen (Krankheit als Weg) etwa ist rein lexikalisch-esperantisch und nagelt den Leidenden im Imaginären fest: Der populistische Esoterik-Jargon vermag es gekonnt, darüber hinwegzutäuschen, daß man hier auf der Ebene des Signifikats - der Sykose - verharrt.
[27] Und noch einmal: Auch das Wort "Losung" hat - je nach Kontext/Positionierung - andere Bedeutungen: - "An der Losung erkennt der Jäger Orte und Wechsel wilder Tiere." - "Unsere Losung sei: Macht´s nach, aber macht´s genau nach!" u.ä.
[28] Etymologisch strikt auf der Ebene des Signifikats gibt es kein "Teekesselchen", die Klassiker belegen es: Der Hahn (Vogel) und der (Wasser-)Hahn sind über die Gestalt historisch verknüpft; das Schloß (des Fürsten) und das Schloß (des Schlüssels) sind beide die "Klause", das Abgeschlossene; usw.; m.a.W.: Das Spiel ergibt nur Sinn, wenn es als Spiel mit den Signifikanten begriffen wird.
[29] Wenn etwa die Teekesselchen "Flöte" oder "Pflaume" ins Spiel kommen, wird der ganze signifikante Hintersinn unübersehbar. (Bereits das Wort "Teekesselchen" ist höchst metonym ...)
[30] Ein Jandl ist praktisch unübersetzbar. Das gleiche gilt für ein dermaßen mit Signifikanz aufgeladenes Werk wie Joyce´s "Finnegan´s Wake" - kein Wunder, daß sich kaum ein Übersetzer daran wagt ....
[31] Wie wollte man etwa folgendes Fundstück aus den 70er Jahren in ein anderes Idiom übertragen: "Die Maus, die Maus, die weiße, die aß ein Stückchen Sch... - abefleisch. Sie fand es in der Neiße. Oder in der Oder?"
[32] Weshalb hätte er sonst diese nicht unbeträchtliche Menge an Axiomen, deduktiven Elementen und Maximen in seine Lehre einbringen müssen, wenn nicht, um sich gegen die jedes System sprengende dunkle Macht der ungesteuerten, weil symbolischen Erfahrung zu wappnen?
[33] Ein ähnlicher Vorgang begegnet uns, wenn wir weiße Kügelchen (in Fläschchen, die unterschiedliche Aufschriften [Signifikanten] tragen) mit einem Arzneimittelbild korrelieren.
[34] Patronatsfest der beiden Heiligen ....
[35] An dieser Stelle findet die Betrachtung ausschließlich auf sprachlicher Ebene statt: Die weiteren Dimensionen dieses Diskurses - die Kügelchen als solche / ihre Aufschrift / ihre Wirkung / ihre Rolle - erfordern weitergehende Auseinandersetzung.
[36] ... und sie ist ja verführerisch: Wie handlich sind solche simplen Zuschreibungen praktisch zu verwerten, bis wir dann am monomanen Zirkel des Imaginären verzweifeln ....
[37 vgl. Martin Buber: Das dialogische Prinzip
[38] Lacan, Die Psychosen, S.340 f.
[39] vgl. E.Lévinas und die "Du-tötest-mich-nicht-Beziehung" (s. Levinas, Zwischen uns ...)
[40] Eine weniger dramatische, dafür deutsche Variation des Themas sei hier
angeboten:"Der Bäcker in der Bäckerin" signalisiert in anzüglicher Weise das Geschlechterverhältnis; befördern wir diesen Satz in den Kreistanz, so lautet
er:"Der Bäcker in der Bäckerin ? Der Bäcker in der Bäckerin ? Der Bäcker in der Bäckerin ?
usw." Skandieren wir nun anders, so ergibt sich:
"Der Bäckerin ? der Bäckerin ? der Bäckerin ? der Bäckerin ? usw.", womit das im Signifikat erkennbare Thema sich als bereits auf der Ebene des Signifikanten vorgegeben erschließt.(vgl.
"der Leserin", S.1)
[41] S = Subjekt; A = der Andere; a = der andere; a´ der andere des Anderen
[42] Ausgerechnet einer der ungehemmtesten Phantasten der homöopathischen Literatur, G.Vithoulkas, entdeckte jüngst seine Leidenschaft für seriöses Arbeiten; vgl. A man with a mission ....
[43] Zandvoort, Complete...: "Mind, Delusion, persecuted by everyone"; "Mind, Delusion, bones in fragments and cannot fit pieces together"; in beiden Fällen haben die genannten Mittel - völlig sinnwidrig - jeweils einen Soloauftritt !
[44] vgl. Sankaran, The Spirit ... / The Substance ....; sowie die
"Sehgal-Methode" (s. Prädel)