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INHALT dieser Ausgabe:EditorialL. Rukavina: Die Inszenierung der homöopathischen PraxisChr. Weihe: Die Geburt des KörpersChr. Gallasch: Sprache, Psychose, HomöopathieImpressum
Editorial |
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Lieber Leserin, ermuntert durch das unerwartete Echo auf die inform.alia - Nullnummer legen wir Ihnen hiermit die Einsnummer unseres Periodikums vor - äußerlich ein klein bisschen griffiger, innerlich ungeglättet, wie gewohnt und gewollt. Der internationale Diskurs (diesen Begriff legen wir aus aktuellem Anlass etwas weiter aus als sonst) schlägt heftige Wellen: Unser aller Georgos Sorbas aus Alonissos, verbalradikal und inhaltspauschal, wie wir ihn kennen und lieben, beißt seinen Mitguru Rajan aus dem Morgenland in die Waden; der wiederum - gewaltfrei, wie es sich für echte Inder gehört - wirbt sanft um Verständnis; die homöopathische Internationale schreit scheinheilig auf, gibt sich enttäuscht und empört, tadelt, bramarbasiert, mahnt, fordert schließlich eine internationale Charta der homöopathischen Moral. Was da lärmt, sind offensichtlich Trauer und Entsetzen über das Scheitern narzisstischer Homöopathie. Wer sich auf Vithoulkas' Apodiktik oder Sankarans Charismatik taub- und blindlings verlassen hatte, muss - spätestens jetzt - verzweifeln: Wem soll man denn noch glauben? Homöopathie aber ist keine Glaubensfrage. Auch wenn sie religiös hinterfüttert sein darf (und laut Hahnemann durchaus sollte), ist ihr Dasein ebenso wenig wie ihre Wirksamkeit primär an Glaubensakte geknüpft. Ihr eigentümlich-eigensinniger Status - jenseits von Empirik und Hermeneutik, kollateral zu Natur- und Geisteswissenschaften - macht ihre ganz spezifische Qualität als Humanwissenschaft gerade aus. Und die findet - wie der Mensch - im Diskurs statt, nirgendwo sonst. Da hat Narzissmus - wie alles Menschliche - auch seinen Platz, aber (um in der Terminologie der Zeitungsleute zu sprechen) nicht als "Aufmacher" auf Seite 1, sondern bestenfalls ganz hinten, unter "Vermischtes", wo Nachrichten über Ernst Augusts jüngste Regenschirmakrobatik, Claudia Schiffers verzweifelte Heiratsdementis oder Madonnas jesushaften Nachwuchs ihr anrüchiges Biotop finden. Gottseidank nimmt die außerhomöopathische Welt von diesem kindischen Gezänk einstweilen keine weitere Notiz - das würde der Homöopathie weit mehr schaden, als es ein Vithoulkas oder Sankaran allein je könnten. Es gibt ein homöopathisches Leben jenseits von Personenkult und Legendenbildung. Das gilt für alle Himmelsrichtungen. Der überlebensnotwendige Diskurs entlang den Sachfragen hat gerade erst angefangen. Nur Mut! Christian Gallasch |
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19. Dezember 2005