Materialien zum Homöopathischen Diskurs
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Homöopathie

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Christian Gallasch

Jean-Luc Gareaudy: Ein Referenzsystem für die Homöopathische Praxis

Seite 3

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Inhalt dieses Artikels:

D. Diagnostik

 

Die drei bisher entwickelten Referenzen (Seinsebenen/Werdephasen, Krankheitslehre/Reaktionsformen sowie die Semantik der Selbstverständigung) werden nun miteinander in einem komplexen Bezüglichkeitsvorgang auf die Krankheitsgeschichte angewendet, d.h. ein Fall wird gleichzeitig "mit drei verschiedenen Brillen / aus drei verschiedenen Richtungen", d.h. multidimensional betrachtet; es entsteht eine "virtuelle raum-zeitliche Mehrdimensionalität", die uns den Patienten - so Gareaudy - vollständiger sehen lässt, als es die plan-textuelle Zweidimensionalität des alten "Prüfungsprotokoll ~ Anamnesetext"-Rituals zuließ.

Hier der Versuch, das beispielhaft vorzuführen:

Menschliche Existenz ist ein Ensemble von endogenen & exogenen Zufällen.

Die Welt der Mythen wiederum ist ein ideales hermeneutisches System (Therapie als individuelle Hermeneutik).

Die Mythen sind prinzipiell multikulturell, d.h. es ist völlig gleichgültig, aus welchem Kulturkreis wir unsere Bilder entlehnen (hier schlägt C.G. Jung durch ...). Freilich ist präzise zu ermitteln, wo genau die Schnittstelle zwischen einem kollektiven Mythos/Märchen und der individuellen Vita steckt.

Also:

° Kollektiver (Ober-)Mythos

… individueller (Unter-) Mythos

Beispiele:

° Orpheus (kollektiv)

… zB: (individuell)

"Machtlosigkeit des Gesangs"

oder "Zurückschauen"

oder "Homophilie"

oder .....

° Ödipus

… zB: (individuell)

"Inzest"

oder "Verwandtenliebe bzw. -mord"

oder "Mißtrauen c Strafe c blindes Vertrauen"

oder .....

Auf Homöopathische Bilder angewandt, könnte das so aussehen:

Beispiel «Sneewittchen»

Wie erkennt man die Schnittstelle?

1. Analyse der Seinsebene / Entwicklungsstufe:

hier: 2.Seinsebene, 2.Entwicklungsstufe, also: emotional

2. Analyse der individuellen Reaktionsform: hier: 2. & 3. Stufe, also:

traumatisiert durch Mutter c passiv kompensiert (Katatonie)

3. Semantische Analyse: hier:

konkret (= diesseitig)

chaotisch (= ausgeliefert)

symbolisch

( Korsett ~ Enge

Kamm ~ Schönheit

Apfel = Adam/Eva ~ ersticken)

Die metalytische Chiffrenreihe "emotional - traumatisiert - passiv kompensiert - diesseitig - ausgeliefert - Enge - Schönheit - ersticken" führt uns - so Gareaudy - zwingend zum AMB von Lachesis muta, bzw. zu einer möglichen Schnittfläche dieses Mittels.

Eine andere Apperzeption desselben Stoffes könnte so aussehen:

1. Analyse der Seinsebene / Entwicklungsstufe:

hier: 1.Seinsebene, 1.Entwicklungsstufe, also: oral (~ mittels ihrer Leber soll Sneewittchen selbst der oralen Einverleibung dienen)

2. Analyse der individuellen Reaktionsform: hier: 1. Stufe, also:

blind (dem Jäger vertrauend)

c noch nicht kompensiert

3. Semantische Analyse: hier:

metaphysisch (= auf die Ehe als überpersönliches Ziel hin)

gesteuert (= von-der-Mutter-weg-Strategie)

symbolisch

a. horizontal:

(schwarz ~ Ebenholz ~ vegetativ

weiß ~ Schnee ~ mineralisch

rot ~ Blut ~ animalisch

vgl. alte deutsche Farben!)

b. vertikal:

Die Erlösung geschieht im Märchen durch die überraschende Kollusion von Logos und Zufall: der Sarg "stolpert" und gerät in die Vertikale: "Sneewittchen hob den Deckel vom Sarg, richtete sich auf, war wieder lebendig, und rief: Ach Gott, wo bin ich?" 

Die metalytische Chiffrenreihe "oral blind - metaphysisch - gesteuert - Ebenholz - Schnee - Blut - Logos (Vertikale)" führt uns - so Gareaudy - zwingend zum AMB von Alumina, bzw. zu einer möglichen Schnittfläche dieses Mittels.

[Oder, als Andeutung einer 3.Variation: Spiegel (Stiefmutter) und Glassarg (Sneewittchen) = Transparenz und semantische Verschlüsselung der Wahrheit: das führt zu Silicea (vgl. auch Orakel zu Delphi) usw.usw.usw.]

Es geht also hier um eine Methode, die jeweilige Schnittfläche zwischen kollektivem und individuellem Mythos möglichst präzise zu definieren:

M.a.W: Sneewittchen ist nicht einfach "Lach" oder "Alum", sondern:

Sneewittchen kann sich um Lach gruppieren; aber ebenso um Alum, Sil oder Aur-Sil; andererseits aber können womöglich Rumpelstilzchen oder Philemon und Baucis eine ähnliche metalytische Chiffrenreihe generieren.

Dass einem ein solches Verständnis der Mythen und Märchen nicht beim ersten Lesen zufällt, versteht sich von selbst. Lange und komplexe Beschäftigung mit den Stoffen setzt sich voraus.

Der letzte Gedankenschritt gilt der Brücke zum eigentlichen Thema, der anamnestischen Metalyse des Patienten.

Gareaudy folgert messerscharf:

Was immer hier zum Thema Mythos entwickelt wurde, gilt auch für den Patienten / die Patientin und den "Mythos" seiner/ihrer Krankheitsgeschichte !!

An dieser Stelle "bricht" der Text ab, da - so Gareaudy - keine einzige Fallgeschichte, so plastisch sie auch sein möge, die Metastruktur seines Ansatzes besser veranschaulichen könnte als die intrasprachlichen Substrukturen seiner Mythenmetalyse.

weiter im Text >>>


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